Als ich gestern, am Morgen des Nikolaustages. nach Dresden fuhr, wuße ich noch nichts von der bevorstehenden Aktion, zu welcher ich ins Gruppenbüro Dresden eingeladen wurde. Leider war es etwas schwierig im Dresdener "Haus der Umwelt" das GP-Büro zu finden, da in dem dreiflügeligen, etwas verwinkelten Gebäude, mir keiner so recht sagen konnte, wo das GP-Büro ist(?). Nach 15min fand ich es dann, gefüllt mit noch schlafenden Aktionistinnen aus Norddeutschland.
Gegen 11:00Uhr war dann ein Briefing mit C. aus H.( einer Exildresdenerin). Gegen 12:30 verließen wir mit dem vollbesetzten 9-Sitzer Bus in Richtung Norden die sächsische Landeshauptstadt. Wir verließen die Autobahn bei der Abfahrt Pulsnitz, wo rechterhand der Autobahn schon Europas größes Müller-Milch Werk in Leppersdorf zwischen Dresden und Pulsnitz zu erkennen war. Auf einem Feldweg legten 6 Aktionisten die gemieteten Nikolauskostüme bzw. ein Knecht-Ruprecht-Kostüm an. Der Knecht Ruprecht wurde zudem noch geschminkt und sah dann mit seinem dunkelen Kostüm eher wie ein Waldgeist aus.
Gegen !13:30 waren wir in Leppersdorf vor dem Müller-Sachsenmilch Werk und begannen, den zur und von der Schicht eilenden Mitarbeitern zwischen den Parkplätzen und dem Eingangstor unsere genfreien Joghurt als Adventsgeschenk zu verteilen und Flugblätter zu überreichen. Es wurden nur einige angenommen. Ein Joghurt wurde uns nach der Entgegennahme wieder zurückgegeben. Die Dame war bestimmt mit Abmahnung bedroht worden.
Nach etwa 30 min vor dem Werkstor kam ein vielleicht 15 Mann starker Trupp MüllerMilch-Mitarbeiter aus dem Tor und attackierte uns erst verbal als "Arbeitsplatzzerstörer", "Idioten geht doch lieber was ordentliches arbeiten". Wir befanden uns noch immer, nach unserer Ansicht, öffentlichen Grund auf dem Bürgersteig vor dem Werksgelände. Plötzlich wurde von den Müller-Mitarbeitern ein Feuerwehrschlauch ausgerollt und wir mit einem C-Rohr naß gespritzt. Dabei erwischte es die Frauen besonders stark. Anfang Dezember bei kaltwindiger Witterung kein Vergnügen. Ich konnte mich hinter einem Milch-Tank-Truck etwas schützen.
Als wir danach noch immer nicht verschwunden waren, rückten die Müller-Mitarbeiter unter Beschimpfungen gegen uns vor und drängten uns brutal ca. 100m den Bürgersteig von ihrem Werkstor weg. Wieder wurden wir als "Jobvernichter" usw beschimpft. Die "Müller" waren äußrst gereizt und machten den Eindruck, daß ihnen eine Schlägerei gelegen käme. So verstanden wir die Drohungen. Sie waren uns auch zahlenmäßig und körperlich überlegen. Einer der Müller-Mitarbeiter echauffierte sich dabei derart, daß ich einen baldigen Herzsanfall vermutete.
Als die von uns gerufene Polizei eintraf, entspannte sich die Situation etwas. Die beiden Polizisten, später vier waren zu 50% proMüller. Um unsere Anzeigen aufzunehmen, mußen wir sie anschließend auf ihr Revier nach Ottendorf-Okrilla begleiten. Dort gaben dann 4 Aktivistinnen eine Anzeige wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung, Bedrohung und Nötigung zu Protokoll der Beamten.
Danach ging es nach Dresden zurück, wo mit heißen Brennnessel- und Kürbissuppen die Lebengeister in die unterkühlten, durchnäßten Körper zurückgeholt wurden. Über Telefon erfuhren wir, daß auch die zeitgleiche Aktion bei Müller in Süddeutschland ähnlich brutal attackiert wurde. Gegen 19:00 konnten wir dann unsere Heimreise beginnen.
Ich hatte mit einer fast etwas langweiligen Aktion gerechnet. Daß ein so friedliches Geschenkeverteilen derart eskalieren kann, hätte ich nie gedacht. Irgendwo kann man die Leute ja mit ihrer Motivation verstehen, nur ihr brutal, aggressives Vorgehen, das eine Morddrohung "Nachher hol ich mein Auto und fahr euch um!" beinhaltete, ist in dem Zusanmmenhang natürlich nicht gerechtfertigt und nur schwer nachzuvollziehen.
Sven aus L.