Mutter nervte schon seit wochen "opa wird bald 80! Hast du schon ein geschenk?". "Was soll ich dem alten nazi schenken?" fragte ich. "Klatsch" hatte ich eine frischgecremte, niveatriefende auf der linken wange sitzen. Mutters rechte rückhand war wirklich recht kräftig. Sie rannte auch zweimal die woche zum frauensport. Mein vater nannte das nur "elephantenballett". Für das hatte er kein verständnis. Er arbeite körperlich hart und war froh, wenn er vorm fernseher mit einem pils entspannen konnte. Bis vor fünf jahren hatte er noch fußball gespielt, aber seit der normerhöhung musste er so malochen, dass für andere körperliche betätigungen keine reserven vorhanden waren. Ganz anders opa. Der war seit über 10 jahren als hausmeister für unseren block zuständig. Der begriff "blockwart" hätte es besser getroffen. Vor seiner rente war er bis zum ende der ddr volkspolizist gewesen und hatte die letzten jahre im werk meines vaters an der wache gesessen. Als die fälle sich häuften, wo er schlafend angetroffen wurde, hatte man ihm die rente nahegelegt. Die hausmeisterstelle war vacant geworden, weil der alte hausmeister, ein cholerischer alkoholiker, dessen goldbrandfahne durch das gesamte treppenhaus unseres 10geschoßers zu riechen war, beim verschneiden der bäume von der leiter gefallen war und den letzten golbrandigen seufzer getan hatte. Man erzählte sich, dass er bei der einäscherung eine große verpuffung ausgelöst hatte.
Opa ging auf in seinem job. Weil er eine recht große rasenfläche um den block zu mähen hatte und opa das kaum noch bewältigen konnte, hatte unsere familie ihm zu seinem 75.geburtstag so einen kleinen rasentraktor geschenkt. Damit tuckerte opa über die rasenfläche und mähte, auch wenn das gras noch nicht nachgewachsen war. Er hatte sein altes kofferradio an die lehne gehängt und fuhr mit mdr figaro klassikgedudel die maulwurfhügel platt und träumte von der schlacht am kursker bogen.
Vor zwei jahren sah ich opa, wie er seinen alten grauen wehrmachtsrucksack mit brot und würsten bepackte, den 25 l ersatzkanister auf den minitraktor schnallte und in seiner nva uniform in die fucikstraße einbog, die zur landstraße führte. Opa grüßte noch soldatisch. Ich weiß, dass er mir am liebsten den hitlergruß gezeigt hätte, doch das verkniff er sich schweren herzens, seit ich ihn deswegen nazi horst nannte und mit einer anzeige gedroht hatte. Als opa die landstraße erreichte, ging ich zu oma rein, die unter uns wohnte, weil es opas und meines lieblingsessen, königsberger klopse mit kapern, gab. Nur opa kam nicht. Oma sagte, dass er nur in die werkstatt wollte, weil der motor vom rasentraktor nicht ansprang. Opa hatte erst gesagt, das wäre bei den benzinern normal. Seinen panzer hätte er damals 30 min vorglühen müssen. Als opa nach dem apfel-birnenkompott immer noch nicht zurück war, wurde oma total unruhig und rief onkel herbert, opas bruder an, der bei der polizei arbeitete. Der wollte gerade oma anrufen. Sie hatten opa kurz vor der polnischen grenze aufgegriffen, als er versuchte, über die baufällige neißebrücke bei adorf zu tuckern. Er hatte die polizisten als bolschiwistenfreunde beschimpft und war mitsamt rasentraktor nach görlitz gebracht worden. Dort sollte ihn papa mit dem anhänger abholen. Da vater gerade das wm-halbfinale schaute, war er entsprechend begeistert. "Soll der alte landser noch eine weile bei den feldgendarmen schmoren, strafe muß sein, nach dem spiel fahre ich und hole den alten nazi heim ins reich.", sagte er! Mutter flente: du sollst vati nicht immer nazi nennen, fahr endlich los. Am abend war opa zurück und bekam seine königsberger aufgewärmt und sein landser pils hingestellt. Opa regte sich noch über die feldgendarmen auf, die mit den bolschiwisten unter einer decke steckten und die er wegen wehrkraftzersetzung anzeigen würde. Ich griste und verabschiedete mich mit einem lauten "Rot front lebt!" und ging in meine wohnung nach oben. Später in der kneipe kam mir die idee für ein geburtstagsgeschenk für opas 80sten. Darauf gebracht hatte mich berti, der irgendwas von einer geschäftsidee "panzer fahren in brandenburg" erzählt hatte. Das würde opa gefallen. Nur gab es keine tiger-u. marderpanzer mehr. Und ob opa mit den ausrangierten bolschiwistenpanzern fahren würde, wäre fraglich. Also verwarf ich bernis geschäftsidee, von denen er wöchentlich drei präsentierte, und schenkte opa das buch "unsere panzer im ostfeldzug", dass ich für 9,99 bei weltbild bestellte.